Tod tief unter der Oberfläche...

Duneth Wharreil wusste nicht wie lange es her sein mag, seit Maerimydra einen Machtwechsel erfuhr. Damals, noch unter der Herrschaft der Klerikerinen Lolths, war er der berühmte Erzmagier dieses Hauses. Doch die Spinnengöttin schwieg schon seit langem – womöglich war die Göttin sogar tot. Ein Aufstand hatte die Stadt heimgesucht und die Herrscherin dieser Wände hieß nun Irae T’sarran. Eine Klerikerin Kiaransales, einer Göttin, welche das Untote verehrt.
Einst mächtiger Erzmagier war Duneth nun nur noch ein Sklave Iraes, und selbst nun weder tot, noch lebendig.
Seine skelettartigen Finger griffen nach einigen alchemistischen Flaschen und fließende Schwaden leuchtender Energie, früher wohl Teil seiner Robe als Erzmagier, begleiteten seine Hand auf den Weg zu dem kleinen Tisch. Der ehemalige Erzmagier erforschte gerade eine seltene Störung des Gewebes. Eine Störung, hervorgerufen durch Iraes Herbeirufen des Todlosen Tempels, des Tempels ihrer Göttin. Dessen Macht hatte es auch gebraucht ihn, Duneth Wharreil, in das zu verwandeln was er jetzt war. Ein Lächeln umspielte das, was früher einmal die schönen Lippen eines Drow gewesen waren, und Duneth sah hinüber zu einer großen Perle. Ja, auch er hatte das Leben und den Tod manipuliert. Über ihm ruhten seine Experimente, eines davon hörte auf den Namen Eis. Ein Drachenleichnahm, den er erschuf und dessen Seele gebunden war in eben jener Perle. Er war immer noch ein mächtiger Magiewirker und seine Studien würden ihn bald von seiner neuen Herrin befreien. Sie mag zwar denken er erforsche die Störung für ihre Zwecke, in Wahrheit suchte er jedoch nach einer Möglichkeit sich aus ihrem Joch zu befreien – oder schlimmstenfalls den endgültigen Tod zu finden.
Er näherte sich einer heftig drehenden Fontäne aus leuchtendem Nebel, die in der Mitte des Raumes wie ein Geysir emporstieg. Pures, sichtbar gemachtes Gewebe, welches durch die Störung die es erfuhr nekromantische Zauber verstärkte.
Plötzlich war Kampflärm zu hören. Duneth ließ sich davon jedoch nicht beirren. Sollte jemand tatsächlich so töricht gewesen sein hier einzudringen, würden seine Wachen schon dafür Sorgen, dass sie es schon bald bereuten.

Eine leuchtende Kugel verließ Pezzagolls Hände, kaum größer als ein kleiner Edelstein, und flog in die Mitte des Raumes. Schon einen Atemzug später explodierte dann auch der Feuerball, den der Tiefling gerade losgeschickt hatte, in einer gewaltigen Flammenwolke. Vier Untote stellten sich hier der Gruppe in den Weg, Drowmänner in polierten, schwarzen Brustpanzern und gefährlich aussehenden Hellebarden.
Varekai, die geschickte Schurkin, trank schnell einen Unsichtbarkeitstrank und verschwand den Blicken der anderen. Nur noch der Druide war in der Lage sie auszumachen. Während dieser die Hände hob um seinerseits göttliche Magie zu entfachen, stellte sich der Kleriker in den Raum.
„Im Namen Velsharoons – gehorchet !“, schrie er quer durch den Raum. Die untoten zeigten sich unbeeindruckt und gingen zum Angriff über, als sie auch schon die Flammensäule des Druiden versengte.
„Gut gemacht Eron.“ Die Stimme kam von einem etwa zwei Meter großen Krieger, der jetzt in den Raum stürmte und einen der noch übrigen Untoten enthauptete. Begleitet wurde dieser Kampf durch stetiges Liedgut der Bardin Malee, die mit einem Kampflied auf den Lippen gerade einen weiteren ihrer verzauberten Pfeile schussbereit machte. Ein irres Lachen entglitt Pezzagoll als schon der nächste verheerende Zauber seine Hände verließ.
Am Ende war nichts mehr von den Wachen übrig. Nur verkohlte Überreste und untotes Blut überall auf dem Boden, und den prächtigen Wandteppichen an den Wänden dieses Raumes. Eine ungemütliche Kälte schlich sich in die Haut der Gruppe.
„Was nun?“, fragte Eron.
„Wir sollten uns hier weiter umsehen, bevor wir versuchen wieder zu Kräften zu kommen“, antwortete ihm der Tiefling. „Ich möchte ungern überrascht werden.“
„Mhh“, meinte Asfaloth, der Krieger der Gruppe. „Ich schau mal hier nach.“ Schon schritt er zu der großen Tür am Ost-Ende des Raums und öffnete sie. Die Temperatur in diesem Raum viel abrupt ab. In dem gesamten Raum waberte leuchtend blauer Nebel. Die Mitte des Raumes schien eine Art Geysir zu enthalten, welcher diesen Nebel produzierte. Neben diesem Phänomen stand eine Kreatur mit theatralisch ausgebreiteten Armen, die aus dem gleichen Nebel zu bestehen schien. Sie war vage skelettförmig und hüllte sich in Schwaden leuchtend blauer Energie.
„Ähh…“

„Ähh…“, entfuhr es dem Krieger, als er die Tür schnell wieder schloss und einen Schritt zurück trat.
„Hier sollten wir wohl besser nicht hinein gehen.“
„Also gut, wohin dann?“, wollte Varekai wissen, die inzwischen wieder sichtbar war und schaute in Richtung Torik. Der Kleriker zuckte mit den Schultern, was bei einem Zwerg allerdings nicht wirklich beeindruckend aussah.
Malee schritt nach vorne, ihre langen, silbernen, Haare hinter sich herziehend.
„Vielleicht…“, weiter kam die Bardin nicht und riss ihre Augen auf.

Die neblige Gestalt des Erzmagiers trat durch die Tür und sondierte die Lage. Hier standen sechs Krieger, die es anscheinend geschafft hatten sich selbst in das Schloss zu schleichen und wohl mühelos seine Wachen entsorgten. Zudem wahren es welche von der Oberfläche, dass verhieß nichts gutes. Er hob seine Hände für einen Zauber, sollten sie mal sehen mit wem sie sich hier angelegt hatten.

Pezzagoll verfluchte sich selbst, hatte er doch nicht mehr genügend Zauber zur Verfügung. Wieder hätte er andere vorbereiten sollen als die, welche jetzt noch übrig waren. Asfaloth reagierte schneller. Seine Waffe schoss blitzschnell durch die Luft auf die neblige Gestalt zu, die gerade durch die geschlossene Tür gekommen war. Seine Waffe schien jedoch wirkungslos durch sie hindurch zu gleiten.
Malee ging im Gedanken Geschichten über Geister und Lieder des Mutes durch, als Pezzagoll schon in seiner Komponententasche kramte. Torik zog sein heiliges Symbol Velsharoons und die anderen griffen wieder nach ihren Waffen. Doch schon hatte die Gestalt ihre Arme erhoben und wirkte einen Zauber.
„Ein Hast-Zauber“, dachte Pezzagoll entsetzt. Und schon schloss sich ein weiterer Zauber an. Es wurde plötzlich viel kälter und der Körper jedes einzelnen füllte sich mit nekromantischer Energie. Wie eine Person sanken sie alle auf die Knie und spürten wie irgendetwas an ihnen zog und ihren Körper langsam auszudorren versuchte. Schließlich, völlig ausgezerrt von dem mächtigen Zauber, viel jedes Mitglied der Gruppe.
Eron stützte seinen Körper mit den Händen ab. Er spürte Durst und fühlte sich erschöpft. Der Druide blickte sich um. Er schien der einzige zu sein der noch am Leben war. Sein Blick wanderte sofort zu der nebligen, blau leutenden Gestalt, die arrogant und wohlwollend ihr Werk betrachtete. „Torik“, dachte Eron. Der Kleriker war jetzt noch ihre einzige Chance. Jedoch schien auch den sonst so zähen Zwerg das Leben verlassen zu haben. Eron musste nicht lange überlegen, er rappelte sich auf und schleppte sich mit letzter Kraft, vorbei an dem toten Körper der schönen Malee, auf die Leiche des Klerikers zu. Heilende Energie floss in die Hände des Druiden, als er den Zwerg berührte. Es kostete Eron viel seiner eigenen Lebenskraft den Zwerg wieder ins Leben zurückzurufen, doch es gelang ihm. Jedoch war Torik immer noch bewusstlos, und schon näherte sich die neblige Gestalt den beiden. Ein weiterer Zauber traf diesmal direkt den Druiden, wurde aber sofort von einem Schutzzauber Erons aufgehoben, der ihn vor Todesmagie schütze. Dies zauberte ein erleichtertes Lächeln auf seine Lippen. Vielleicht waren sie noch nicht dem Tod geweiht. Plötzlich spürte Eron einen stechenden Schmerz. Er war überall, und Eron war sich bewusst, dass es das letzte sein würde was er je spüren sollte. Sein Körper gab nach und viel neben Torik auf den Boden. Der leuchtende Schimmer auf der Rüstung des Klerikers verriet ihm, dass sich die geisterhafte Gestalt näherte. Eron hatte nicht die Kraft sich zu bewegen, noch irgendetwas anderes zu unternehmen. Sämtliche Geräusche traten wie durch dicken Pudding an sein Ohr. Sein Blick traf das Gesicht des Klerikers. Auf dem Boden war Blut zu sehen. War es sein eigenes? Dann wurde es dunkler und still. Der Schmerz den Eron eben noch spürte verschwand und seine Seele und sein Geist verschwanden in eine barmherzige Unendlichkeit.